Berge in Namibia

Wenn man in Windhoek auf dem Flughafen landet, ist man erstaunt über die Bergketten, die die Stadt umgeben, zumal die Stadt selbst schon sehr hoch liegt. Der höchste Berg Namibias, der Brandberg, ist nur wenig mehr als 2000 m hoch, aber es ist nicht die Höhe der Berge, die ihre Faszination ausmacht. Sie sind einfach gigantisch, schroff und bizarr, weil sie unbewachsen sind. Die Berge sind es, die einem das Gefühl geben, dass man sich auf einem anderen Stern befindet. Auf der Fahrt durch die Wüsten oder durch den einzigartigen Fishriver-Canyon erscheint in der großen Weite und Leere der Landschaft alles so unirdisch, dass man manchmal glaubt, den Boden unter den Füßen (oder unter den Rädern) zu verlieren, zumal man auch auf weiten Strecken kaum einem Menschen oder einem Auto begegnet.

 

Der Fishriver-Canyon, der zweitgrößte der Erde, kann sich mit dem Grand-Canyon in den USA absolut messen. Er ist ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger und zum Glück bislang noch nicht zum Vergnügunszentrum degradiert wie der Grand-Canyon, wo man Wildwasserfahrten, Bungee-Springen und Rundflüge anbietet. Wer Natur erleben will, ist hier am rechten Platz.

 

Der Fishriver-Canyon liegt im Süden Namibias, nicht weit von der südafrikanischen Grenze. Der Fischfluss entspringt in der Namib, versorgt den Hardap- Staudamm mit Wasser und kommt als kleines Rinnsal im Canyon an. Vor Jahrmillionen muss er mehr Kraft gehabt haben, denn sein Wasser bewirkte durch Erosion die Entstehung des Canyons, wobei allerdings auch große vulkanische Erdbewegungen mithalfen.

 

Fast bedrohlich wirken die kahlen Felsmassen, und doch wächst hier und da immer mal ein Büschel gelber Blumen, die Berge und Wüsten in Namibia oft wie ein goldener Teppich überziehen.

 

Auf unserem Abendspaziergang bei der Canyon-Lodge zeigten sich die Berge vor dem Sonnenuntergang in flammendem Rot. Später, im fahlen Abenddämmern, verwandelten sie sich sehr schnell in graue, unansehnliche Riesen.

 

Eingerahmt vom gelben Blumenteppich leuchten die beiden Felskolosse rot im Licht der untergehenden Sonne. Bereits um 18.00 Uhr setzt hier zu dieser Jahreszeit die Dunkelheit ein. Wer lange helle Abende genießen möchte, sollte besser im Januar nach Namibia reisen.

 

Erstaunlich und ungewöhnlich ist das üppige Grün am Fuße kahler Namibberge.

 

Dieses Panorama genießt man von der Farm des exzentrischen Barons von Wolf, der als Schutztruppenangehöriger mitten in der Namib von einem deutschen Architekten das Schloss Duwisib bauen ließ. Er fiel im ersten Weltkrieg, das Schloss ist heute im Staatsbesitz und kann besichtigt werden.
Schloss Duwisib

 

Sehr eindrucksvoll ist die Strecke über den Kuiseb-Pass nach Swakopmund. Die Namibier nennen die Gegend "Mondberge",und tatsächlich überkommt uns wieder das Gefühl, auf einem anderen Stern zu sein. Über kahle Berge und durch finstere Schluchten windet sich die Straße hin zur sandigen Wüstenebene.

 

Fährt man von Swakopmund in nordöstlicher Richtung, durchquert man wieder lange Zeit eine eintönige Sandebene. Langeweile kommt auf, aber umso überraschter ist man, wenn plötzlich am Horizont wie aus dem Boden gestampft eine wuchtige Bergkette auftaucht, das Erongo-Gebirge. In der Ferne sehen wir die Spitzkoppe, Namibias beliebtesten Berg, dann geht es geradewegs in die Berge hinein, die durch ihre bizarren Formen alle Berge der Namib noch übertreffen.

 

Die Felsen um die Ai-Ai-Ba-Lodge im Erongogebirge sind ein beliebtes Ziel für Kletterer. Hier braucht man keine langen Anmarschwege wie auf einer Bergwanderung zu fürchten, man hat das Ziel gewissermaßen gleich vor der Haustür und kann sich, wenn man will, anschließend im eiskalten Swimmingpool erfrischen.

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